Meine Fototasche

Um ausdrucksstarke Fotos zu schaffen, ist die einfachste Ausrüstung ausreichend. Manche der berühmtesten Motive sind mit ganz bescheidenen Kameras entstanden. 

Um mir zu beweisen, wie wenig man an Ausrüstung besitzen muss, um schöne Fotos zu schaffen, habe ich auf einer Wales-Reise eine einzige Kamera mitgenommen: Eine alte, bescheidene Canon AE-1 mit einem 50er Objektiv 1.4 (erkennt man im letzten Spiegel-Bild). Die Kamera hat keinen Autofokus (aber einen Split-Screen), die Belichtungsmessung muss per Hand erfolgen, sie hat 120 Euro gekostet und natürlich: Sie ist analog. Ich war beeindruckt, wie viele verschiedene (Licht)Bedingungen man so eingeschränkt meistern kann, wenn man keine andere Wahl hat. Die Grenzen der Kamera musste ich bei starkem Gegenlicht erkennen.

Dennoch dürfen sich die Profis in der Hochzeitsfotografie auf die erste Aussage nicht verlassen. Wir haben es oft mit undankbaren Lichtbedingungen zu tun, mit sich schnell bewegenden Motiven, starkem Gegenlicht, kontrastarme Motive oder sogar feindlichen Reise-/Transportbedingungen. Vor Gefahren wie Sand und Feuchtigkeit oder Unfälle sollte man auch Respekt haben. Deswegen muss die Ausstattung eines Profis nicht nur professionell sein, sondern auch einen Back-up haben und versichert sein. Respekt vor allen möglichen Risiken und Hürden ist ein Zeichen von professioneller Verantwortung und Zuverlässigkeit. 

Die Menge meiner Ausrüstung hat sich in in den letzten Jahren tatsächlich immer mehr verringert. Es war aber erfreulich zu erkennen, dass, je weniger ich besass, desto bessere Fotos konnte ich schaffen. Ich verbringe keine Sekunde damit, mich zu entscheiden, welches von den Objektiven ich benutzen sollte und da ich auch sehr wenige besitze, findet ein Wechsel vielleicht ein, maximal zwei Mal auf einer Hochzeit statt. Tatsächlich werden ca. 85% aller meiner Hochzeiten mit nur einer Brennweite festgehalten: 50mm auf das Kleinbildformat und 80mm auf das Mediumformat. Bei Projekten wie Portraits oder Familien/Kinder/Newborn nehme ich sogar keine weitere Brennweiten mit!

Ein Wort zu der Wahl des Objektivs: Wer viel in einem Kamerabody investiert und dann beim Kauf der Linse spart, macht einen sehr großen Fehler. Es ist, als würde man eine Brille benötigen und mehr Wert auf den Rahmen legen als auf die Linsen. Die Optik ist unser Werkzeug um mit Licht zu arbeiten! Sie muss Licht richtig brechen, sie muss lichtstark sein, sie muss eine starke Schärfeleistung erbringen, gleichmässig Licht verteilen uvm. No-Names und andere Alternativen sind nicht für den professionellen Markt gedacht, sondern für Amateure oder ambitionierte Fotografen. Unsere besten Kunden verlassen sich darauf, dass wir gegenüber deren leidenschaftlich fotografierenden Freuden oder Familienangehörige, nicht nur Wissen, Talent und Erfahrung anbieten, sondern auch ein gewisses Niveau an Equipment.  


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Mein Hauptwerkzeug für meine Kleinbildformat Kamera ist das Canon 50mm 1.2. Ich benutze das Objektiv für sich schnell bewegende Motive und wenn ich weiss, dass viele Unvorhersehbares passieren kann. Beispiele: Zeremonie, Gratulation, Reden, First Dance, Party und manchmal für  Gruppenfotos mit mehr als drei Reihen. Die Blendenöffnung, die ich bevorzuge, liegt zwischen 1.4 und 2, bei Gruppenfotos eventuell auch 2.8 oder weniger, aber nie kleiner als 4.0.


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Canon 85mm 1.2 ist eine unglaublich schöne Linse, dennoch benutze ich sie ganz selten. Besonders wenn sich Gäste unbeobachtet fühlen (und ich möchte, dass das so bleibt), ist die Linse gut geeignet. In den letzten zwei Jahren habe ich aber mehr daran gearbeitet, dass sich die Menschen - egal wie nah ich bin - wohl fühlen und sich genuin verhalten, also wurde das Objektiv in der Saison 2017 tatsächlich nur zwei Mal benutzt. Es gibt eine Ausnahmesituation: Ältere Generationen zu fotografieren, die meinen, sie müssen in die Kamera schauen, wenn der Fotograf sich nähert. In diesen Fällen, kann ich unbemerkt eine authentische Emotion festhalten, ohne mit meiner Anwesenheit das Geschehen zu unterbrechen. Da das Objektiv langsam ist, würde ich es nie für schnelle Motive einsetzen. Auch bei fehlendem Kontrast und low light, wird das Objektiv leider sehr langsam, das muss berücksichtigt und dementsprechend geduldig gearbeitet werden. 


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Canon 35mm 1.4 ist ein sehr schnelles und zuverlässiges Objektiv. Dennoch kommt es für mich in Frage, nur wenn ich nicht genug Distanz zum Objekt habe. Ich bin mir bewusst, dass bestimmte Sujets komplett aufgenommen werden müssen, wie Kirchen (indoor), komplette Location oder eine Landschaft, die eine gewisse Bedeutung hat. Menschen werde ich grundsätzlich nicht mit diesem Objektiv ablichten, da die Verzerrung mir zu dramatisch ist. Hinzu wäre meine künstlerische Signatur dadurch weniger harmonisch. Ich arbeite also damit sehr bewusst und es sind immer ähnliche Motive von Galerie zu Galerie, die damit aufgenommen werden.


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Die oben genannten Objektive werden auf der Canon EOS 1V montiert. Die Kamera ist schnell, erleichtert die Arbeit extrem durch die 36 Frames, die die 35mm Filmrolle mit sich bringt und hat eine sehr leichte Bedienung. Sie liegt gut auf der Hand und der Autofokus ist 99,9% mit diesen Objektiven zuverlässig. Was mich etwas enttäuscht ist, dass die Batterien bei unter 10 Grad Celsius innerhalb von zwei-drei Rollen leer sind. Als Back-up für die zwei Bodies, die ich besitze - und auch für katastrophale Lichtbedingungen, besitze ich die Canon 1DX (digital). 


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Meine absolute Lieblingskombi ist die Contax 645 mit dem Zeiss Objektiv 2.0 80mm. Sie ist gross, sperrig, schwer und ist nicht Wasserdicht. Weil der Autofokus so langsam ist, kann sie nur manuell fokussiert werden. Sie hat einen ganz dunklen Sucher, was die Arbeit sehr erschwert, sobald die Sonne weg ist. Aber dieses Objektiv ist der Beweis, dass nichts wichtigeres als die Optik ist: Die Bilder sind weich und scharf zugleich, das Bokeh verträumt und die Farben absolut ehrlich. Besonders glücklich bin ich über die Art wie es Gegenlicht meistert, vorausgesetzt, man komponiert das Bild auch richtig ;) 

Mit dieser Kamera fotografiere ich folgende Tagespunkte: Location, Details, Vorbereitungen, Zeremonie in Kombi mit der Canon 1V, Gruppenfotos, Paarfotos, Reden (solange das Licht es erlaubt). 


Weitere wichtige Kleinigkeiten, die ich immer dabei habe:

• Meine beliebten Close-Up Linsen (+2 und +4)

Handbelichtungsmesser (ohne, ist eine korrekte analoge Arbeitsweise fast unmöglich, besonders wenn sich die Lichtbedingung oft ändern oder man mit verschiedenen Filmstocks arbeitet.)

• Ein leichtes, aber dennoch robustes Stativ für Aufnahmen auf Film die unter 1/15sec entstehen müssen. Wenn ich eine Hochzeit nur tagsüber begleite, bleibt er zuhause.

Reinigungsset

Batterien

Kameragurt (doppelt und einfach zu benutzen)

Zipperbag & Marker um meine Filme zu sortieren

Cards für die digitale Kamera (die kommen aber meistens wieder leer nachhause)

• Folgende Filmstocks:

  • Fuji Pro 400 (35mm und 120)
  • Ilford Delta 3200 (SW 23mm und 120mm)
  • Ilford XP super 400 (SW 35mm)
  • Kodak Portra 800 (35mm und 120mm) hier nicht abgebildet (benutze ich eventuell in der Dämmerung und selten indoor)
  • Fuji Natura 1600 (ein Filmstock für artificial light, der unglaublich nützlich sein kann, wenn man darauf besteht, auch noch nachts analog und farblich zu arbeiten)

Viele Fotografen haben den Inhalt der eigenen Fototaschen thematisiert, dennoch hoffe ich, war mein Post informationsreich und ich konnte den Einen oder Anderen davon überzeugen, dass auch bei der Ausrüstung Folgendes gilt: Qualität über Quantität. Hinzu muss der Einsatz von der jeweiligen Ausrüstung sehr absichtlich und nicht beliebig oder aus Bequemlichkeit erfolgen.

Kleiner Hinweis: Alle Bilder (ausser, die der Ausrüstung selber) in diesem Post wurden analog aufgenommen.

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Habt ihr Fragen oder Anregungen? Hinterlasst gerne diese als Kommentar oder schreibt mich gerne direkt an: hello@madalinasheldon.com

Eure Madalina #filmisbeautiful



Clean Look - Meine Bearbeitung

Die meisten Fotografen, die mich kontaktieren und besonders diejenigen, die bei mir einen Mentorship oder Workshop buchen, fragen, wie ich diesen sauberen und hellen Look schaffe.

Nachdem ich den richtigen Hintergrund und das optimale Licht lokalisiert habe (dazu mehr in einem weiteren Blogpost), werde ich darauf achten, das Bild so harmonisch wie möglich zu komponieren und das Licht so zu messen, dass ich weder im Schattenbereich noch im Lichtbereich Information verliere. 

Meine Bearbeitung ist unkompliziert und basiert auf ein einfaches Preset, was Farben, Lichter und Schatten so ehrlich wie möglich optimiert, damit das Bild der Wirklichkeit entspricht und diese nicht stark verschiebt. Sie kann zwar auf einer Gesamtgalerie verwendet werden, dennoch würde ich leichte Anpassungen empfehlen, besonders wenn sich die Farbgebung und die Lichttemperatur und -qualität ändert.

Video ohne Ton - also bitte Maus und Text im Auge behalten!

Danke für's Vorbeischauen!

M.

 

Konsistenz im Portfolio

Licht und Location für einen clean Look

Um einen sauberen Look zu erzielen, ist nichts wichtigeres als das Licht und die Location. Ich bin dabei, diesen Post für euch vorzubereiten! 

Marie&Philipp©MadalinaSheldon_0186.jpg

Dieser post ist bald verfügbar


Smart Workflow

Schnell habe ich erkannt, dass ein smarter Workflow mir viel Freizeit generiert. Daran habe ich sehr intensiv gearbeitet und heute bin ich glücklich sagen zu können, Work-Life-Blending ist eine schöne Lösung, solange man diszipliniert und mit einigen guten Tricks seine Arbeitsschritte gestaltet. Ich bin dabei, diesen Post für euch vorzubereiten.

Autumn_2017©MadalinaSheldon_5.jpg

Dieser Post ist bald verfügbar


Analog Hochzeiten fotografieren • deutsch / german